Historie

In der Nacht zum Samstag, dem 15 Juli 1922, war in Nideggen ein Riesentrubel. Zu Tausenden strömten Menschen aus Aachen, Köln und von weiter her in den kleinen Luftkurort. Die wenigsten hatten ein Quartier, aber viele kamen auf Pferdefuhrwerken, mit Bierfässern drauf und mit Musik. - Was war der Grund?

 

Im Frühjahr 1922 beschloss die Gauversammlung des ADAC-Gau IV auf Vorschlag des Sportleiters Max Schleh, welcher eine 33km Rundstrecke um Nideggen ausfindig gemacht hatte, hier eine "Eifelrundfahrt" zu veranstalten. In ihren kühnsten Träumen werden die Verantwortlichen nicht daran gedacht haben, zu welch internationaler Bedeutung einmal diese Eifelrundfahrt für den Deutschen Motorsport werden würde. Nachdem in den Besprechungen mit dem motorsportfreundlichen Landrat des Kreises Schleiden, Graf von Spee, der ungewöhnliche Plan, dieses Rennen durch sieben Ortschaften zu veranstalten, freundliche Aufnahme gefunden hatte, startete am Morgen des 15.7.1922 auf dem Parkplatz der Burg Nideggen das 1. ADAC Eifelrennen.


 


Das erste Rennen

 Beim 1. Rennen 1922 gab es noch keine Einteilung der Touren-, Sport- und Rennwagen, und ebenso wenig eine Unterscheidung zwischen Privat- und Industriefahrern. Dadurch prallten in der am  Vortag des Rennens stattgefundenen Fahrerbesprechung die Gemüter aufeinander, da einige waschechte Privatfahrer eine gesonderte

Bewertung wünschten. Es geschah nicht.  Profitieren konnten hiervon Fritz von Opel, mit seinem Bruder Hans, die in der Klasse bis 8 Steuer-PS mit deutlichem Vorsprung siegten. Sie schafften die 166 km Distanz (5 Runden) in 2:19:30 Stunden. Für ihre Zeit waren die Opels nämlich Profis. Sie hatten schon eine Art Fahrerlager in ihrem Hauptquartier im „Eifeler Hof“ in Heimbach, und sie starteten mit rennmäßig präparierten Fahrzeugen. Ein typischer Amateur –ein Herrenfahrer-war dagegen ein junger Mann, der mit ihnen im gleichen Feld startete. Sein Onkel, der in Aachen die „Fafnirs“ baute, hatte ihm für das 1.Eifelrennen ein Fahrzeug gegeben. Er kam nicht ins Ziel damit, aber er selbst kam wieder: Rudolf Caracciola. Die ersten auf der Strecke waren aber ab 05:25 Uhr die Hilfsmotorräder. Sie hatten außer ihren 1,5 – 2 PS noch Pedale, die unterstützend getreten werden dürften, weshalb sich auf diese Klasse, es waren 2 Runden, 66,4 km zu fahren, ehemalige Radrennfahrer mit kräftiger Beinmuskulatur spezialisierten. Gesamtsieger dieser Veranstaltung, die sehr viele Ausfälle zu verzeichnen hatte, wurde schließlich Volkhard aus Laupheim auf einem Steiger, der mit seiner tollkühnen Vorstellung die Zuschauermassen in Bewunderung und Erstaunen versetzte.

Dieses 1. Eifelrennen war ein voller Erfolg. Begeistert sprachen sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer über den Verlauf dieser auf hoher sportlicher Stufe stehenden Fahrt. Der Industrie waren wertvolle Fingerzeige gegeben worden, die Leistungsfähigkeit der Maschinen zu steigern. Aber Besatzung und Besatzungsnöte ließen die erhoffte Wiederholung im Jahre 1923 ausfallen. Es war unmöglich, in den schlimmsten Zeiten des passiven Widerstandes an die Durchführung des Eifelrennens zu denken.  

 

 


Die Strecke

Die Strecke führte von Nideggen, durch Berg, Wollersheim, Vlatten, Heimbach, Hasenfeld, Schmidt, Brück zurück nach Nideggen. Mit Rücksicht auf die Bewohner der zu durchfahrenden Orte waren diese Stellen neutralisiert. Jedem Fahrer war ein von der Gesamtzeit in Abrechnung zu bringender Spielraum von fünf Minuten für jeden Ort gewährt worden. An sich war die Strecke ganz dazu angetan, die klassische Bahn für deutsche Automobilrennen zu werden .Der Nideggener Rundkurs ähnelte verblüffend der Rennstrecke der internationalen „Targa Florio“ Italiens, obwohl sie nicht so steil wie die italienische Rundbahn war. Aber ihre Kurven, die sich in allen nur erdenklichen Spielarten aneinanderreihen, um lediglich auf einer Strecke von etwa 300 m eine gerade Fahrt zu gewähren, sind prozentual größer als bei der „Targa Florio“. Der bekannte Dresdner Herrenfahrer Dolerenz, der die „Targa Florio“ kannte, äußerte sich in vorstehender Weise und war über die Schwierigkeit der Bergstrecke ebenso erstaunt, wie viele Andere, die in Unkenntnis der Verhältnisse in der Eifelrundfahrt eine Prüfung durchschnittlicher Art vermutet hatten. Ortskundige Autofahrer dagegen prophezeiten eine Katastrophe. Die Renn-Oldtimer holperten durch die Haarnadelkurven, wobei sich der Beifahrer zu Verbesserung der Bodenhaftung in die entsprechende Position hinauslehnte. Zum Überholen musste der Beifahrer erneut aktiv werden; er hatte durch Blasen des Signalhorns den Vorfahrenden zu warnen. Insgesamt waren 86 Kurven auf der 33,2 km langen Strecke, bei 265 m Höhenunterschied, zu überwinden. Für Nideggen waren die Renntage ein Ereignis ohnegleichen. Bauern wandelten ihre Scheune in Fahrradwachen um und verlangten 5 Pfennig dafür. Im abgeriegelten Wiesenkaree am Start und Ziel in Höhe der Burg drängten sich über 200 Autos von Zuschauern. Die stolzen Autobesitzer mussten pro Benzinkutsche 3 Mark Parkgebühr aufwenden. Ein schöner Batzen Geld im Jahre 1922, doch wer damals so ein „neumodisches Kolbenroß“ besaß, zählte ohnehin nicht zu den Ärmsten. 


Medaillen die dem Beifahrer von
Gustav Münz -Adolf Breuer
verliehen wurden

Siegermedallie  von Adolf Breuer

Siegerpokal und Bronzestatue mit
Siegerkranz vom Eifelrennen 1926